11. Oktober 2019
3 min

Agilität außerhalb der Softwareentwicklung?

In Trainings und bei Kunden höre ich oft: Agil funktioniert für die Softwareentwicklung, aber im normalen Business geht das doch nicht, oder? Intuitiv ist die Antwort: Warum denn nicht? Natürlich müssen wir immer den individuellen Kontext betrachten, aber grundsätzlich spricht nichts dagegen.
Brille vor Laptop

Was ist denn dieses „Agil“ überhaupt?

Nach Hofert (2018) stellt Agilität die Fähigkeit von Teams, Individuen und Organisationen dar, in einem unsicheren, sich verändernden und dynamischen Umfeld flexibel, anpassungsfähig und schnell zu agieren. Genauer wird Agilität im Agilen Manifest definiert. Beim Lesen wird schnell deutlich, dass hier nicht von konkreten Tools, Rahmenwerken und Methoden die Rede ist, sondern von Werten und Prinzipien – ein Mindset also, das sich um kontinuierliche Inspektion und Adaption dreht. Adaption dreht. Das bedeutet auch, dass Agilität unabhängig von Softwareentwicklung existieren kann.

Was sind denn nun konkrete Beispiele, wie man Agilität außerhalb der Softwareentwicklung einsetzen kann? Hier findet ihr Erfahrungen von Freunden, Kollegen und Kunden, die Agilität nicht nur außerhalb der Softwareentwicklung, sondern sogar in ihrem Privatleben anwenden.

Mit Kanban die Hochzeit organisieren

Eine Hochzeit erfordert viel Vorbereitung – schließlich soll alles an diesem einen Tag makellos sein. Im Internet findet man ewig lange ToDo-Listen und Tipps für die perfekte Hochzeit. Wie soll man da den Überblick behalten? Und wie stimmt man sich mit Partner, Helfern, Trauzeugen und Familie ab, was gerade getan werden muss und wer was macht? Freunde von mir haben dieses Problem mit Hilfe eines Kanban-Boards gelöst. Mit dem Tool „Trello“ wurden alle Aufgaben erfasst, jeder Beteiligte konnte das Board einsehen und es war immer klar, wer gerade was organisierte. Eine sehr einfache und effiziente Lösung. Hier findet ihr weitere Ideen:

https://blog.trello.com/guide-to-planning-a-wedding-with-trello

Mit Scrum die Masterthesis schreiben

Die Masterthesis schreiben bedeutet für viele den Abschluss des Studiums und ist mit jeder Menge Arbeit verbunden. Viele Studenten prokrastinieren und legen, vor allem wenn es dem Ende zugeht, gerne mal die ein oder andere Nachtschicht ein. Dass das auch anders geht, hat mir ein Bekannter gezeigt: Er hat seine Masterthesis in Sprints organisiert. Um Vollzeitjob und  Thesis unter einen Hut zu bekommen, entschied er sich, in 1-Wochen Sprints zu arbeiten und seine Arbeit mit Hilfe von Jira zu organisieren. Eine besondere Hilfe war für ihn, den großen Berg an Arbeit in kleinere Arbeitspakete herunterzubrechen. Jeden Sonntag machte er ein Review, Retro und Planning – am Ende war er mit seiner Thesis weit vor Abgabetermin fertig, ohne Nachtschichten und mit einer guten Note.

Mit Management 3.0 Verantwortlichkeiten in der Familie regeln

Kennt ihr das? Kinder sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, und sich an den anstehenden Aufgaben beteiligen, z.B. im Haushalt. Eine tolle Lernmöglichkeit kann da ein „Delegation Board“ sein. Ein Kollege hat in seinem „Familien-Delegation Board“ alle Aufgaben, die innerhalb der Familie anstehen (wie beispielsweise Spülmaschine ausräumen, Müll rausbringen…) dort geregelt. Neben diesen unliebsamen Aufgaben enthält das Board auch Spaßaktivitäten und regelt wie Entscheidungen zu bestimmten Themen innerhalb der Familie getroffen werden, wie etwa wohin der nächste Ausflug geht. Neben der Nützlichkeit dieses Boards war wohl das Basteln des Boards gemeinsam mit den Kindern ein sehr großer Spaß! Die Familie verwendet außerdem auch Elemente aus Scrum: Die Rollen des Product Owners und Scrum Masters sind an die Kinder vergeben. Dabei lernen sie Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Familie.

„Agil funktioniert für die Softwareentwicklung, aber im normalen Business geht das doch nicht, oder?“ – Na klar geht das, wieso denn nicht? Ihr seht hier ganz konkret, dass agile Praktiken selbst im Privatleben sehr hilfreich sein können. Seid mutig und führt Experimente durch – ihr werdet selbst herausfinden was für euren Kontext geeignet ist und euch voranbringt. Dabei ist es egal, ob ihr im HR, Vertrieb, der Hardwareentwicklung oder eben doch in der Softwareentwicklung unterwegs seid.

Habt ihr selbst schon Erfahrungen gemacht, in denen ihr Agilität in ungewöhnlichen Kontexten eingesetzt habt? Ich freue mich über weitere spannende Geschichten von euch!

Hofert, S. (2018). Agiler führen. Springer Fachmedien Wiesbaden.