21. Juli 2022
4 Min.

Die Co-Creation – Challenge

Unser diesjähriger Vortrag auf dem Scrum Day in Filderstadt behandelte das Thema „Co-Creation“. Ein für uns zentrales Thema, weil wir von den Vorteilen dieser Arbeits- und Denkweise einfach überzeugt sind. Und so haben wir uns sehr gefreut, dass diese Thematik bei unseren Zuhörern auf großes Interesse stieß.

Co-Creation was ist das?

Automatisch generierte BeschreibungCo-Creation ist ja im Grunde nichts Neues. Trotzdem rückt es in den Unternehmen, die strategisch auf die Mitarbeiter und Kundenzentrierung setzen, immer mehr in den Fokus. Was bedeutet diese Wortkreation überhaupt?

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Was bedeutet Co-Creation?

Bei Co-Creation geht es darum, miteinander etwas zu erschaffen. Es ist kein Framework, sondern eine Arbeits- und Denkweise.

Nehmen wir als Beispiel die Platttform „My Starbucks“ um zu zeigen, wie Co-Creation bei der Produkt- oder Service Entwicklung mit den Kunden funktionieren kann.
Die Kaffee-Kette lädt die Kunden ein, selbst zu Produktentwicklern zu werden. So können sich Kunden für My Starbucks registrieren und erfahren viel über das Unternehmen „hinter den Kulissen“ und das lässt die Kunden sich wie Insider fühlen.

Sie können über das Portal ihre Ideen einreichen, bereits eingereichte Ideen sehen und Kundenideen in der Umsetzung verfolgen. Die „My Starbucks“ Idee gibt den Kunden das Gefühl, selbst ein Teil des Unternehmens zu sein und fährt damit einen Riesenerfolg ein.

Es gibt eine Menge Erfolgsstories von Produkten, die gemeinsam mit den Kunden entwickelt wurden. Und irgendwie sollte es ja auch selbstverständlich sein, die Kunden direkt am Anfang einer Entwicklung mit einzubeziehen. Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand:

  • versteckte Kundenbedürfnisse werden aufgedeckt, es entstehen die AHA-Momente, welche die Kunden für das Produkt wirklich begeistern​
  • Eine höhere Kundenbindung durch maßgeschneiderte Produkte, denn die Kunden entwickeln das Produkt direkt mit, werden gehört und fühlen sich dadurch dem Unternehmen verbunden​
  • ein höheres Qualitätslevel kann erreicht werden, denn Kunden bestimmen mit, welche Qualität ein Produkt haben soll, z.B. welche Materialien verwendet werden (nachhaltige Stoffe, Produkte aus fairer Erzeugung, usw.)
  • Somit wird das Risiko von Misserfolgen verringert​

Co-Creation aber mit wem?

Co-Creation spielt nicht nur bei der Entwicklung von Produkten und Services eine Rolle, sondern auch innerhalb von Organisationen. So etwa bei der Diskussion von neuen Arbeitsmodellen in einem Unternehmen, oder etwas umfassender bei der städtebaulichen Entwicklung oder der Planung eines neuen Kindergartens.

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Co-Creation, aber mit wem?

Wichtig hierbei ist immer zu wissen, wer eigentlich die Stakeholder bei einem Projekt sind. Der erste Schritt ist also eine gründliche Stakeholder-Analyse:

  • Wer ist direkt betroffen?
  • Wer indirekt?
  • Wer sponsort mein Projekt?
  • Wer kann Einfluss nehmen?
  • Wer kann mein Projekt torpedieren, wer kann es fördern?
  • Wer profitiert und in welcher Weise?
  • usw …​

Eine Stakeholder-Analyse ist das Herzstück für eine erfolgreiche Co-Creation im Projekt. Diese sollte frühzeitig im Projekt durchgeführt und in den verschiedenen Projektstatus betrachtet und aktualisiert werden.​ Relevante und direkt betroffene Stakeholder sollten von Anfang an mit eingebunden werden.

Aber auch nicht-direkt-betroffene Stakeholder sollten beachtet und in bestimmten Phasen der Entwicklung einbezogen werden. Dies hilft, frühzeitig Missverständnisse und Hindernisse im Projekt zu beseitigen, bzw. erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Co-Creation bei agilen Methoden

Design Thinking

In unserer agilen Welt spielt Co-Creation eine zentrale Rolle. Bei den agilen Arbeitsmethoden ist Kollaboration ein zentraler Bestandteil. Der Klassiker hierfür ist Design Thinking. Es ist ein agiles Framework für Problemstellungen, welches insbesondere im hochkomplexen und chaotischen Bereich zur Anwendung kommt.

Die Lösung einer Frage oder eines Problems wird von Beginn an mit den Nutzern, bzw. den Kunden entwickelt, unterstützt durch den Einsatz von interdisziplinär aufgestellten Teams – in jeder Phase des Prozesses!

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Bild 3: Co-Creation im Design Thinking

Warum sind interdisziplinäre statt homogenen Teams so wichtig? Das läuft doch viel reibungsloser, konfliktärmer und effizienter, wenn alle der gleichen Meinung sind und die gleichen Skills haben?

Ein interdisziplinäres Team braucht im Vergleich zu einem homogenen Team relativ viel Zeit, bis es gut zusammenarbeiten kann. So braucht, zum Beispiel, sogar der Aufbau einer gemeinsamen Sprache seine Zeit. Aus der Unterschiedlichkeit heraraus entsteht aber auch der Raum für mehr Fragen, Spannungen und kreative Energie, die zu den wirklich innovativen und bedarfsorientierten Lösungen führt.

Wichtig! Stakeholder früh einbinden und ggfs. Teil der interdisziplinären Teams werden lassen.

Scrum

Ein Scrum-Team ist ein klassisches Beispiel für die Vorteile der interdisziplinären Teams. Hier nur einige Beispiele, wie Scrum-Teams Co-Creation nutzen können:

  • Im Sprint kann sich das gesamte Scrum-Team mit der Lösung eines Problems befassen. So wird ein typisches Entwickler-Problem durch den unterschiedlichen Perspektiven und Fragestellungen bezüglich des Problems rasch und erfolgreich gelöst.
  • Im Review gibt es Platz auch für nicht-direkt betroffene Stakeholder, wie zum Beispiel Betriebsrat, Rechtsabteilung oder den Vertreter einer Behörde. So kann man Kommunikations- und Verständnisschwierigkeiten früh vorbeugen.
  • Die Retrospektive wird meistens nur von dem Scrum Team genutzt – führe auch mal Retrospektiven nur mit Stakeholdern durch!
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Co-Creation im Scrum-Projekt

Die Herausforderungen von Co-Creation

Damit Co-Creation gelingt, braucht es

  • strukturierte Prozesse und Zeit, um Ziele, Begriffe und Arbeitsmethoden zu definieren
  • Perspektivenvielfalt durch interdisziplinäre Teams und Einbindung der Stakeholder
  • Mitarbeit auf Augenhöhe und eine hohe Kommunikationsbereitschaft
  • Offenheit für Fehler und unerwartete Ergebnisse
  • Die Datensicherheit und Rechtslage muss überprüft werden, denn zum Teil müssen Betriebsinterna offengelegt werden

Wenn ein Team noch keine Erfahrung mit Co-Creation hat, muss man es akzeptieren, dass vielleicht nicht alles gleich von Anfang super funktionieren wird. Es ist ein Lernprozess. Und Dinge können mal schief gehen.

Unsere Challenge auf dem ScrumDay

Wir haben in unserer Vorbereitung auf den ScrumDay festgestellt, dass es schon vieles zum Thema Scrum gibt, aber kein Maskottchen. Da wir die perfekte Gruppe an Stakeholdern im Raum hatten, haben wir sie am Ende unseres Vortrags gebeten eine „Blitz Co-Creation“ mit uns durchzuführen.

Die Aufgabe: Entwerft ein Scrum Maskottchen

Die Regeln:

  • Jeder darf max. drei Ergänzungen hinzufügen​
  • Lasst Euch auf die Ideen der anderen ein und baut darauf auf​
  • Beeinflussung und Kritik sind nicht erlaubt ​
  • Arbeitet zielorientiert​

Und hier die Ergebnisse, die wir innerhalb weniger Minuten erzielt haben:

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Ergebnisse der Co-Creation Challenge auf dem ScrumDay 2022

Alle beteiligten hatten Spaß am Kreieren, und man kann sehr schön sehen, wie in kurzer Zeit mit nur wenigen Vorgaben sehr unterschiedliche Ergebnisse entstanden sind. Und, wer weiß,- vielleicht wird es eines dieser Wesen schaffen zu einem echten Maskottchen zu werden!

Fazit

Zusammenfassend können wir sagen, das Co-Creation ein höchst wirksames Instrument ist, um erfolgreiche Produkte zu entwickeln und Projekte durchzuführen. Es ist natürlich auch kein Allheilmittel für ALLE Probleme. Es ist ein Invest – es braucht Zeit, interdisziplinäre Teams gut aufzustellen, Kunden mit „ins Boot zu holen“ oder sich mit Stakeholdern zu beschäftigen.
Nur ohne Co-Creation funktionieren viele Dinge einfach nicht – und das haben uns auch unsere Zuhörer in der Anschlussdiskussion unseres Vortrags bestätigt.
Viel Spaß und Erfolg beim Einsatz Deiner Co-Creation – wie auch immer, wo auch immer Du es erlebst!

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