05. August 2019
3 min

Dynamische Teamformation – was haben Entscheidungen mit Fußball zu tun?

Was haben Entscheidungen in Teams mit Fußball zu tun? Sehr viel finde ich. Daher habe ich eine dynamische Teamformation gebastelt. Mit fußballerischen Elementen.

Im Fußball sind die Spieler und Spielerinnen in ihrem Spielfluß ständig vor Entscheidungen gestellt, die sie dann auch in relativ kurzen Zeitintervallen treffen müssen. In den meisten Fällen sind diese dann auch spielentscheidend, haben also direkte Konsequenzen für den Spielverlauf.

Ich sehe hier viele Paralellen zu unserem heutigen Arbeitsalltag. Meine Erfahrung bei der Arbeit mit Teams ist die, dass wir immer häufiger gefordert sind, in sehr kurzen Zeitspannen entsprechende Entscheidungen zu treffen. Hinzu kommt: Traf früher noch der Projektleiter die Entscheidungen für sich alleine in seinem stillen Kämmerchen, sind wir heute in selbstorganisierten Teams gefordert, als Team entsprechende Entscheidungen gemeinsam zu treffen.

Doch wozu sollten wir Entscheidungen überhaupt in Teams treffen? Folgende Vorteile fallen mir dazu ein:

  • Vier-Augen-Prinzip:
    In einer komplexer werdenden Welt ist es schlicht nicht mehr möglich, dass nur ein Kopf all das Wissen in sich trägt, um die richtige Entscheidung treffen zu können.
  • Höhere Akzeptanz:
    Wenn ich als Teammitglied in einem Entscheidungsprozess mit eingebunden bin, bin ich eher gewillt eine Entscheidung mitzutragen.
  • Verteilte Verantwortung:
    Die Verantwortung und damit die Last, eine Entscheidung treffen zu müssen, wird auf mehrere Schultern verteilt.

Schönrederei ist nicht mein Ding. Die Nachteile von Teamentscheidungen liegen auf der Hand. Entscheidungen in der Gruppe zu treffen dauern meist länger und unterliegen nicht selten einer gewissen hierarchischen Struktur, die fast in jedem Team vorzufinden ist. Zum Beispiel ist dann der Entwickler mit dem höchsten Ansehen oder dem dominantesten Verhalten am Ende doch der Entscheidungsträger. Und somit haben wir wieder indirekt einen Einzelnen, der die Entscheidung für die ganze Gruppe trifft.

Um den Dreh zurück zum Fußball zu finden: Wie schaffen wir also Entscheidungen schneller und vor allem qualitativ besser zu treffen? Indem wir Transparenz schaffen. Transparenz darüber, wo wir als Team gerade im Entscheidungsprozess stehen. Und genau dafür habe ich eine „Dynamische Teamformation“ gebastelt.

Als Spielfeld ist hier der Meetingraum eines Teams zu verstehen. Hier werden zunächst die einzelnen Elemente auf den Boden ausgelegt. Diese können dann von den Personen im Raum als Stationen während der Entscheidungsfindung je nach Bedarf aufgesucht werden. Jeder Einzelne nimmt somit dynamisch seine jeweilige Position ein.

Und so funktioniert’s:

Kreis

Wenn du dich im Stande siehst, in der Diskussion einen Beitrag in Richtung Entscheidung leisten zu können, trittst du aktiv in den Kreis. Du signalisierst damit deine Bereitschaft an der Diskussion teilzunehmen. Du kannst dich auch außerhalb des Kreises positionieren, und damit signalisieren „Ich höre erst einmal zu.“ bzw. „Ich kann oder möchte gerade keinen Beitrag leisten“.

Geduld

Wenn du etwas nicht verstehst, du eine Frage hast oder dir die Diskussion zu schnell geht und du nicht mehr mitkommst, kannst du die Position Geduld einnehmen. Dann sind deine Kollegen aufgefordert, dir zu helfen wieder in das Thema reinzufinden oder dein Verständnis wieder zu erlangen.

Abspiel

Hast du das Gefühl, dass nur zwei Personen sich im Kreis drehen oder es immer die Gleichen sind die sich unterhalten? Wenn du den Wunsch nach weiteren Meinungen hast oder du selbst angespielt werden möchtest, kannst du den Bereich Abspiel aufsuchen.

Fokus

Wenn die Diskussion zu ausschweifend wird und du das Gefühl hast, dass ihr euch vom eigentlichen Thema wegentfernt habt, suchst du einfach die Position Fokus auf.

Voschlag – Einwände? – Entscheidung

Jetzt kommt das Wichtigste. Denn deswegen sind wir ja alle hier. Stelle dich auf die Position Vorschlag, wenn du das Gefühl hast, dass ihr genug gesprochen habt und eine Entscheidung her muss. Du kannst mit Einnahme dieser Position selbst einen Vorschlag machen oder dein Team darum bitten einen Vorschlag zu finden. Wird dann ein Vorschlag vorgebracht, gilt es nach Einwände im Team zu fragen. Gibt es keine Einwände gegen den Vorschlag heißt es: Glückwunsch! Ihr habt ihr eine Entscheidung getroffen. Falls die Einwände niederschmetternd sind, tritt man zurück in den Kreis bzw. sucht nach einem neuen Vorschlag.

Fazit

Wie in jedem Fußballteam gilt die Regel: Übung macht den Meister. Ein Team braucht erfahrungsgemäß ein bis zwei Runden, um sich mit den jeweiligen Positionierungen vertraut zu machen. Danach ist meine Erfahrung: die Teammitglieder nehmen die einzelnen Positionen sehr dankbar und rege an. Auch schön zu beobachten: Die Teammitglieder nehmen nach einer gewissen Zeit die jeweiligen Positionen völlig automatisch ein. Das heißt sie brauchen die Karten gar nicht mehr physisch vor sich auf dem Boden liegen zu haben. Sie haben sie verinnerlicht. In jedem Fall kann damit eine sehr dynamische Teamformation entstehen. Soll heißen:

Tooooooooooorrrrrrrrr!!!!!!!!!!!!!!!!

Bildnachweise: Thomas Serer - unsplash.com
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