29. Juli 2019
2 min

Entscheidungsmatrix – oder wie ein Team (endlich) eine Enscheidung traf

Ich sitze im Zug. Mein Nebensitzer und ich sind in ein spontanes Gespräch über selbstorganisierte Teams vertieft. Ich frage ihn „Was verbinden Sie mit einem selbstorganisierten Team?“. Seine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Keine Entscheidungen!“.

Ich muss wohl oder übel schmunzeln. In so manch einer Polemik steckt ein Funken Wahrheit. So auch in dieser. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Innerlich ist mein Entdeckergeist geweckt. Da will ich jetzt ran. Ich will dem Irrsinn mit dem Nicht-Entscheiden-Können in Teams etwas entgegenbringen. Durfte ich doch selbst vor nicht allzu langer Zeit Zeuge einer hitzigen Diskussion in meinem Team über das so banal scheinende Thema „Wo gehen wir zum Mittagessen hin?“ werden.

Deshalb rein ins Labor, experimentieren und dann raus in die Teams damit. Hier stelle ich euch eine Methode vor, mit der ich bereits sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Zugegeben, das Wort Nutzwertanalyse klingt jetzt nicht so sexy. Auch googeln bringt mich nicht wirklich weiter. Punktwertverfahren klingt eben auch so mittel. Ich komme also nicht darum herum – Meine Methode basiert auf: ganz genau, der guten alten Nutzwertanalyse. Ich habe sie stark vereinfacht und mit Farbcodes aufgepimpt. Lasst sie uns einfach die  „Entscheidungsmatrix“ nennen.

Beispiel einer Entscheidungsmatrix

Beispiel einer Entscheidungsmatrix

Und so geht’s:

1. Schritt: Optionen aufführen

Im ersten Schritt werden die verschiedenen Optionen horizontal aufgeführt. Zum Beispiel:

  • Inder um die Eck
  • Biergarten
  • Supermarkt
  • usw.

2. Schritt: Kategorien definieren

Im nächsten Schritt definiert das Team selbst verschiedene Kategorien für die zur Verfügung stehenden Optionen. Diese werden dann mittels Klebezetteln vertikal und untereinander an die Wand gehängt.

Bleiben wir bei unserem Mittagsessen-Dilemma. Die Kategorien könnten dann wie folgt sein:

  • Kosten
  • Zeitaufwand
  • Geschmack
  • Tisch ohne Reservierung verfügbar
  • Erholung
  • usw.

3. Schritt: Bewertung abgeben

Dann wird knallhart bewertet. Und zwar in einer offenen Runde mit farblichen Klebezetteln. Das heißt, es wird pro Option und Kategorie eine Bewertung vom Team abgegeben. Achtung, hier sollte die Gruppe entsprechend moderiert werden. Sonst wird munter fröhlich zehn Mal im Kreis gedreht (und damit der Gang zum Mittagessen unnötig verzögert).

Es gelten die folgenden Farbgebungen:

  • Grün = gut
  • Orange = mittel
  • Rot = schlecht

4. Schritt: Widerstandsabfrage

Optional kann dann noch als finaler Schritt mittels Widerstandsabfrage der Widerstand jedes Einzelnen zu den jeweiligen Optionen abgeholt werden. Bei der Widerstandsabfrage, oder auch Systemisches Konsensieren genannt, gibt jeder der anwesenden Kollegen seinen persönlichen Widerstand von einer Skala 0-10 (oder auch von 0-5) an. Eine 0 bedeutet „keinen Widerstand“ und die 10 „maximaler Widerstand“. So beurteilt jeder Einzelne die verschiedenen Varianten. Gewinner ist dann die Option mit den geringsten Widerständen.

Wichtig um sich nicht gegenseitig zu beinflussen ist, dass jeder Einzelne seine Widerstände pro Option auf einen Klebezettel schreibt. In unserem Beispiel mit den drei Optionen hat dann jeder Kollege 3 Klebezettel in der Hand, die er dann auf die Wand überträgt.

Beispiel einer Widerstandsabfrage

Beispiel einer Widerstandsabfrage

Das Ergebnis

Das Ergebnis ist meist ein farblich wunderschön an Picasso erinnerndes, buntes Allerlei. Und doch lassen sich in den allermeisten Fällen klare Tendenzen herauslesen. Voilà, damit haben wir das Mittagessen-Dilemma gelöst. Ihr werdet es nicht glauben, in diesem Fall haben wir uns für den Biergarten entschieden.

Fazit

Im Alltag eines selbstorganisiertes Teams stehen immer wieder ganz unterschiedliche Entscheidungen an. Diese farbliche Darstellung der Optionen ist ein einfaches und zugleich sehr nützliches Hilfsmittel, um zügig wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Wie zum Beispiel die Entscheidung zu einem Teamsplit mit unterschiedlichen Varianten.

Ich wünsche viel Erfolg damit.

Bildnachweise:
Cyril Saulnier, Unsplash

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