07. September 2021
6 Min.

SOS@Home - Ein soziales Projekt

SOS@Home - Was verbirgt sich dahinter und was ist mit diesem Begriff gemeint? In unserer Blogpostserie zum Social Startup SOS@Home möchten wir euch diese und weitere Fragen beantworten und in die Zusammenarbeit mit dem Gründerteam des sozialen Projekts mitnehmen. Natürlich halten wir euch danach in weiteren Beiträgen über die neusten Schritte des Projekts auf dem Laufenden.
SOS@Home - Ein soziales Projekt

Als gemeinwohl-zertifiziertes Unternehmen liegt es der Novatec am Herzen soziale Verantwortung zu übernehmen (neudeutsch: Corporate Social Responsibility). Seit April 2021 unterstützen wir das Social Startup SOS@Home beim Aufbau seiner Online-Plattform sosathome.org. Diese soll Betroffene von häuslicher Gewalt mit bestehenden Hilfs- und Unterstützungsangeboten verknüpfen und die Suche nach passenden Angeboten erleichtern. Hierbei soll ein smarter Filterprozess eingesetzt werden, damit Betroffene möglichst unkompliziert die passenden Hilfsangebote in ihrer Nähe finden.

In vier Monaten haben wir die Plattform von der Erfassung der Anforderungen bis zum baldigen Go-Live des MVP (Minimum Viable Product = erste funktionsfähige Version) aufgebaut. Dabei bringen wir vor allem unser Software-Engineering-Know-How mit ein. Außerdem profitieren wir von den Erfahrungen unserer anderen Startup-Kooperationen. In dieser Blogpost-Serie möchten wir euch das Projekt vorstellen und in den Artikel jeweils verschiedene Aspekte beleuchten und euch dabei immer auf dem Laufenden halten. In diesem ersten Teil stellen wir euch die Gründer, die Gründungsidee und den Start in der Novatec vor.

Interview mit dem Gründungsteam von SOS@Home

Um euch die Idee, das Team und die Zusammenarbeit mit der Novatec näher zu bringen, haben wir ein Interview mit dem Gründungsteam von SOS@Home geführt. Verschafft euch so selbst einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Projekts.

Was ist SOS@Home?

Ida: Unser social Start-up SOS@Home wurde 2020 ins Leben gerufen und ist eine Plattform, die Betroffene von häuslicher Gewalt mit bestehenden Hilfs- und Unterstützungsangeboten verbindet. Viele Betroffene von häuslicher Gewalt leiden still und fühlen sich überfordert und ohnmächtig. SOS@Home bündelt übersichtlich Hilfsangebote auf einer Seite. Unterstützt durch einen smarten Filterprozess können Betroffene anonym, kostenlos und unkompliziert passende Hilfsangebote in unmittelbarer Nähe finden und beanspruchen.

Wer verbirgt sich hinter dem SOS@Home Team?

Leo: Das Gründungsteam besteht neben mir, Leo Mück (24 Jahre), aus Ida Diwert (25 Jahre), Lena Binnberg (23 Jahre) und Svea Körfgen (26 Jahre). Lena, Ida und ich haben an der Hochschule München Management Sozialer Innovationen studiert bzw. studieren noch. Svea hat Soziale Arbeit an der Sächsischen Universität im Bachelor studiert und studiert momentan Human Ressources im Master. Wir haben uns die Bereiche innerhalb des social Start-ups aufgeteilt: Ida übernimmt den Bereich Partnerschaften und Kooperationen, Lena kümmert sich um das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit, Svea trägt die Verantwortung für alle Themen rund um Personal, Ehrenamt und Teamentwicklung und ich bin bei SOS@Home zuständig für Koordination und Strategie.

Wie genau entstand die soziale Idee von SOS@Home und wo hat das Projekt seinen Ursprung?

Lena: Die Idee zu dieser Plattform entwickelten wir mitten in der Corona-Pandemie im Rahmen eines Kurses der Hochschule München. Ausschlaggebend dafür war eine Erhebung der TU München bezüglich häuslicher Gewalt im Lockdown 2020, welche uns zum Nachdenken anregte. In dieser Studie wurden rund 3.800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren online nach ihren Erfahrungen befragt.
Dabei kennen weniger als die Hälfte der betroffenen Befragten die Telefonseelsorge, während weniger als 4% dort wirklich anriefen (TU München Studie zu häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie vom 22.04. bis zum 08.05.2020). Das macht deutlich: Obwohl eine Vielzahl von Hilfsangeboten existiert, kennt ein Großteil der Betroffenen diese nicht. Genau das wollen wir ändern. Deshalb bauen wir die fehlende Brücke zwischen den Hilfesuchenden und den Hilfebietenden, damit Opfer oder Überlebende von häuslicher Gewalt, (potentielle) Täter:innen, Angehörige und Aufmerksame (Nachbarn, Lehrkräfte, Sozialpädagog:innen, Übungsleiter:innen,…), schnell und niederschwellig die passende Hilfe finden, die sie benötigen.

Welche soziale Vision verfolgt das SOS@Home Projekt?

Svea: Wir sind bundesweit die erste Anlaufstelle für häusliche Probleme und helfen den Betroffenen ihre Situation nachhaltig zu verbessern. Neben Betroffenen unterstützen wir auch den Aufmerksamen und potentiellen Täter:innen dabei, mit Situationen richtig umzugehen. Wir sorgen nicht nur dafür, dass es einfach ist die richtige Unterstützung zu finden, sondern auch, dass häusliche Gewalt kein Tabuthema mehr ist.

Wie genau seid ihr auf die Novatec als Partner aufmerksam geworden?

Lena: Wir selber haben kaum IT-Kenntnisse und uns deswegen auf die Suche nach einem starken Partner gemacht, welcher jedoch auch unsere Interessen bzgl. Gemeinwohl und Sozialem teilt. Daraufhin wurden wir auf Novatec aufmerksam und schnell wurde klar, dass wir uns von beiden Seiten eine erfolgreiche Partnerschaft vorstellen können.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Novatec-Team ab?

Leo: Die Zusammenarbeit mit Novatec ist sehr professionell und stetig. Wir haben jede Woche Meetings, um den Entwicklungsstand zu besprechen und Änderungswünsche unsererseits zu kommunizieren. Mit Hilfe unserer Chat-Gruppe können wir das Novatec-Team schnell und asynchron erreichen. Novatec setzt nicht nur die Plattform für uns um, sondern unterstützt uns mit Feedback, Tipps und Tricks, damit die Plattform am Ende nicht nur schön, sondern auch technisch optimal ist.

Woran arbeitet das Team gerade?

Ida: Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck daran unser MVP zu launchen. Das bedeutet, wir stecken viel Arbeit in ein einfach bedienbares Frontend und die vom Backend bereitgestellten Dienste, die am Ende dafür sorgen sollen, dass Menschen die richtige Unterstützung finden.

Wie kann man eure Arbeit im sozialen Bereich oder die Plattform unterstützen?

Svea: Wir glauben daran, dass wir nur durch die aktive Zusammenarbeit mit Unternehmen, NGO´s, politischen Organisationen, staatlichen Einrichtungen und Akteur:innen der Zivilgesellschaft einen tatsächlichen Beitrag gegen häusliche Gewalt leisten können. Deshalb freuen wir uns über jegliche Unterstützung. Wer uns unterstützen möchte, kann dazu gerne auf unserer Plattform sosathome.org kontaktieren.

Aufbau des Teams und Projektsetup

Nachdem die Anfrage vom SOS@Home Team bei der Nocatec eingetroffen ist, hat sich bei uns in kurzer Zeit ein Kernteam zusammengefunden, um in einem ersten Setup über die Rahmenbedigungen zu sprechen. Da wir in der Novatec von jeher versuchen, die Freitage für Wissensaustausch und –aufbau, sowie interne Themen freizuhalten, findet der Großteil unserer Entwicklungsarbeit für SOS@Home im Rahmen dieser Freitagsarbeit statt. Kolleg:innen, die sonst in unterschiedlichen Teams arbeiten, finden sich an Freitagen remote zusammen, um das Thema voranzubringen.

Wie auch in unseren anderen Projekten gehen wir bei SOS@Home agil vor. Wir haben einen schlanken, einfachen Prozess aufgesetzt, nach dem wir die Anforderungen an das Produkt in kurzen Zyklen umsetzen und die laufende Anwendung ständig mit direktem Feedback des Gründungsteams um neue Funktionen erweitern und verbessern.

Meilensteine

Die ersten kleinen Meilensteine haben wir bereits erfolgreich gemeistert und schauen gerne nochmal mit euch darauf zurück: Ein Highlight war sicherlich der Kickoff des Projekts am 9. April 2021, bei welchem sich das Team und die Gründer:innen das erste Mal kennengelernt haben. Beiden Seiten war sehr schnell klar, dass die Chemie stimmt und es ging sehr zügig in Richtung Besprechung und Umsetzung der ersten Anforderungen.

Social Hackathon SOS@Home Team

Das Timing des Projektstarts hätte für den im Mai stattfindenden Social Hackathon der Novatec nicht besser sein können. Durch das Einreichen zweier für die Plattform wichtiger Themen konnten beim Hackathon wertvolle Impulse gesammelt und erste Prototypen umgesetzt werden: Die Vermeidung unnötiger Spuren bei der Verwendung der Plattform und die Grundlagen für die Suchalgorithmen für passende Hilfsangebote (mehr Infos hierzu kommen im nächsten Blogpost). Darüber hinaus sind durch die Sichtbarkeit der Veranstaltung in der Firma noch weitere helfende Hände zu unserem Team gestoßen.

Das Richtfest unserer Plattform war der Go-Live der Landing Page Anfang Juni unter sosathome.org. Bereits auf der frühen Version der Seite enthalten waren ein FAQ, in dem man mehr über uns als Team und SOS@Home erfahren konnte. Außerdem wurde eine Kontaktseite für Hilfsangebote eingerichtet, damit diese vorab schon Kontakt zum Start-up aufnehmen können, um im MVP (Minimum Viable Product = erste funktionsfähige Version) auf unserer Plattform vertreten zu sein.

Jetzt fiebern wir alle gemeinsam dem Go Live der ersten funktionsfähigen Version unserer Plattform entgegen. Dies ist sicherlich der bisher größte Schritt für uns. Hierin ist schon der Filterprozess (Match-Making) verfügbar, wodurch Betroffene die passende Hilfe finden können. Dabei liegt beim MVP der Fokus auf Kindern und Jugendlichen. Dieser MVP wird dann in den nachfolgenden Monaten stetig erweitert, so dass für jeden die passende Hilfe zu finden ist. Dabei werden in der nächsten Zeit Partner für die Plattform kontaktiert, deren Hilfsangebote anzeigt werden.

Im nächsten Teil dieser Blogpostserie stellen wir euch vor, wie wir den Entwicklungsprozess vom Requirements Engineering bis zum Produktivgang einer Funktionalität aufgesetzt haben und gehen auf die Architektur und den Technologie-Stack der Anwendung ein. Schaut gerne wieder vorbei, traut euch über das Thema zu sprechen und empfehlt die Plattform weiter.

Bildnachweise: @ Bit Cloud - unsplash.com @ Novatec - intern

Artikel kommentieren