Systemisches Coaching im agilen Kontext

Mein Wunsch war und ist es, im Arbeitsalltag den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken und an einem glücklicheren Miteinander im Team zu arbeiten. Durch unterschiedliche systemische Methoden, Fragetechniken und Tools konnte ich immer wieder positive Effekte im agilen Teamkontext erleben und möchte diese nach und nach mit dir teilen.

Als ich vor knapp drei Jahren entschied eine Ausbildung zum systemischen Coach zu machen, ahnte ich nicht, wie sehr sie mein Leben auf den Kopf stellen und positiv verändern würde. Ich war zu der Zeit als Projektmanagerin in der Konsumgüterindustrie tätig. Ein Umfeld in dem Hierarchie und Hackordnung den Alltag bestimmte, ebenso wie im stressigen Alltag keine Zeit blieb für Planen, Austauschen, oder gar Reflektieren. Ich wollte dieses System besser verstehen, besser die Menschen in diesem System verstehen. Denn Verständnis für die Person gegenüber ist ein erster Schritt, um im Konflikt eine gemeinsame Lösung zu finden.

Mein Wunsch war und ist es, im Arbeitsalltag den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken und an einem glücklicheren Miteinander im Team zu arbeiten. Durch unterschiedliche systemische Methoden, Fragetechniken und Tools konnte ich immer wieder positive Effekte im agilen Teamkontext erleben und möchte diese nach und nach mit dir teilen.

Warum findet der systemische Ansatz so viel Gebrauch im agilen Kontext?

Sehr typisch im Coaching ist es, sich auf Stärken zu fokussieren. Es ist leichter Stärken weiter aufzubauen und damit Erfolge zu feiern, als auf Schwächen zu schauen. In einem Scrum Team haben wir häufig ein cross-funktionales Team. Die Teammitglieder bringen unterschiedliche Expertisen mit, so dass sie gemeinsam ein fertiges Produkt entwickeln können. Zusätzlich hat jedes Teammitglied ihr eigenes Persönlichkeitsprofil. Vielleicht ist jemand im Team eher eine Visionärin, die häufig neue Dinge anfängt, jemand anderes sucht eher Beständigkeit und Routine. Im Coaching Kontext können wir an beiden Eigenschaften etwas Positives sehen, eine Stärke für das Team und dennoch kann es im Alltag zu Konflikten und Unverständnis führen.

Um in solchen oder ähnlichen Situationen das Team zu unterstützen, Missverständnisse und Konflikte konstruktiv zu lösen, gibt es im Scrum die Rolle eines Scrum Masters. Ein Scrum Master hat viele Aufgaben die unterschiedliche Skills brauchen. Coaching Skills gehören dazu und finden in vielen Situationen Anwendung. Dazu gehören:

  • Retrospektiven
  • Entscheidungsprozesse
  • Konfliktsituationen, u.v.m.

Am auffälligsten findet systemisches Coaching sicherlich in der Retrospektive Anwendung. Dennoch, ob bewusst oder unbewusst, schleicht sich auch schnell eine systemische Frage in den Alltag oder in andere Scrum Events ein.

In der Retrospektive,  kann ein stärkenorientierter und lösungsorientierter Ansatz, wie es Teil des systemischen Ansatzes ist, sehr hilfreich sein. Tools und Methoden die ich häufig einsetze sind:

  • öffnende Fragen (W-Fragen)
  • Skalen Arbeit im Raum ( z.B. Auf einer Skala von 1-10, „wie zufrieden bist du aktuell?“)
  • oder auch Visionsarbeit (z.B. „Angenommen wir haben unser Ziel erreicht, was wäre dadurch anders/besser/gleich?“)

Was ist systemisches Coaching?

Systemisches Coaching liegt begründet in der Systemtheorie, deren bekannteste Vertreter Talcott Parsons und Niklas Luhmann sind. Als System wird häufig „eine beliebige Gruppe von Elementen, die durch Beziehungen miteinander verbunden und durch eine Grenze von ihrer Umwelt abgegrenzt sind“ definiert.

Dieses Modell eines Systems lässt sich im Alltag auf unterschiedlichste Kontexte übertragen. Im beruflichen Kontext kann man Systeme auf unterschiedlichen Ebenen erkennen, z.B.:

  • Kollegen, die gemeinsam in einem Büro sitzen
  • ein Team, welches an einem gemeinsamen Ziel arbeitet
  • ein Bereich, der gemeinsam Budgetverantwortung hat
  • oder eine ganze Organisation/Firma, die profitabel wirtschaften möchte

Im Coaching unterstützt und berät ein Coach einen Coachee (oder auch Klient genannt) bei der Ideen- und Lösungsfindung für unterschiedliche Anliegen/Probleme des Coachees. Dabei geht es darum, im System und somit Kontext des Coachees stärkenorientiert mehr und/oder neue Perspektiven und somit mehr und/oder neue Handlungsspielräume zu sehen und im Tempo des Coachees einen Prozess der Veränderung zu begleiten.

Zusammenfassend

Im agilen Kontext kann der systemische Ansatz eine wertvolle Bereicherung sein. Nicht nur der Scrum Master profitiert von den Vorgehensweisen, sondern schlussendlich gewinnt das Team und somit im Endergebnis alle Stakeholder. Ein Blick auf das System zu werfen kann zu mehr Verständnis untereinander führen und Verständnis für die andere Person. Es ist ein erster Schritt, um in einem Konflikt eine gemeinsame Lösung zu finden.

Hast du Erfahrungen mit systemischen Coaching im agilen Kontext gemacht? Dann teile deine Eindrücke und Tipps.

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