28. Juni 2019
4 min

Vorhofflimmern – Wenn dein Herz einen Schlag aussetzt

In Teil I und II unserer Digital Health Serie haben wir Blogposts zum Thema Herzfrequenzanalyse und Herzfrequenvariabilität (HRV) verfasst. In diesem Post berichten wir über Vorhofflimmern. Es gehört zu einer der häufigsten Herzrhythmusstörungen, an der in Deutschland rund 2,2 Prozent der Bevölkerung leiden. Oftmals bleibt die Krankheit jedoch lange unbemerkt, was zu drastischen Folgen wie das Erleiden an einem Schlaganfall führen kann.

Ein gesundes Herz schlägt in Ruhe etwa 60 bis 100 Mal pro Minute und pumpt andauernd Blut durch den gesamten Körper. Kommt das Herz aus dem Rhythmus und gerät somit aus dem Takt, gibt es unterschiedliche Auswirkungen. Es kann zu harmlosen Unregelmäßigkeiten, plötzlichem Herztod, Kammerflimmern oder Vorhofflimmern kommen. Kammerflimmern ist lebensbedrohlich und kommt nur selten vor – vielmehr ist Vorhofflimmern, besonders bei älteren Menschen, weit verbreitet und ist anders als Kammerflimmern nicht zwangsläufig lebensbedrohlich.

„Vorhofflimmern ist eine Form von Herzrhythmusstörung. Das Herz besitzt vier Hohlräume: den linken und rechten Vorhof sowie die linke und rechte Herzkammer. Bei einem gesunden Menschen schlagen die Vorhöfe im gleichen Rhythmus wie die Kammern“ (vorhofflimmern.de).

Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz ungleichmäßig, es hält stellenweise an und Betroffene spüren einen deutlich beschleunigten Herzschlag. Sie klagen außerdem über Symptome wie Herzstolpern, Atemnot, Abgeschlagenheit und Angstgefühl. Im schlimmsten Fall fließt das Blut danach unregelmäßig und staut sich in den Vorhöfen an – es verklumpt sich und begünstigt die Bildung von Blutgerinnsel. Wenn sich ein Gerinnsel löst, kann es mit dem Blutstrom in das Gehirn wandern, die Gefäße verschließen sich und es kommt zu einem embolisch bedingten Schlaganfall mit oftmals schwerwiegenden Folgen.

„Schlaganfälle zählen neben dem Herzinfarkt und Tumorerkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Somit ist davon auszugehen, dass allein in Deutschland pro Jahr etwa 35.000 Schlaganfälle durch Vorhofflimmern bedingt werden“ (Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.).

Es ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und eine der häufigsten Ursachen für ambulante Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte, wenn es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht. In Deutschland leiden fast 1,8 Millionen Menschen an der Herzrhythmusstörung, die Dunkelziffer ist jedoch noch höher, da Vorhofflimmern oft unbemerkt bleibt und daher noch nicht diagnostiziert wird. Da sich die Altersstruktur in den westlichen Ländern ändert und immer mehr Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht begünstigt werden, werden 2020 bereits rund 2,13 Millionen Menschen davon betroffen sein – ein Anstieg auf 2,7% also. Männer sind in den jüngeren Altersstufen häufiger betroffen als Frauen. Durch die höhere Lebenserwartung der Frauen gibt es allerdings etwa gleich viele männliche und weibliche Vorhofflimmern-Erkrankte. Generell steigt das Risiko für Vorhofflimmern jedoch mit dem Alter und verdoppelt sich ab dem 50. Lebensjahr. Zum Vergleich: bei den über 60-Jährigen sind 4-6% davon betroffen, bei den 80-Jährigen leiden bereits 9-16% an der Krankheit. Kinder und Jugendliche erkranken eher selten an der Herzrhythmusstörung und machen insgesamt etwa ein Zehntel aller Vorhofflimmerpatienten aus.

Ursachen für Vorhofflimmern können unterschiedlicher Natur sein. Bluthochdruck, hohes Alter, Herzmuskelschwäche, koronare Herzkrankheiten, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Herzklappenfehler und Herzmuskelentzündungen sind einige Nennbare. Ein hoher Blutdruck steigert das Risiko etwa auf das Doppelte, an Vorhofflimmern zu erkranken, Herzinsuffizienz auf das 4,5- bis sechsfache. Doch auch Schilddrüsenüberfunktion, Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum können Vorhofflimmern begünstigen – generell lässt sich aber nicht immer eine Grundkrankheit ausmachen.

Doch wie macht sich Vorhofflimmern bemerkbar?

Den ersten Anfall von Vorhofflimmern empfinden die meisten Menschen als drastisch. Sie verspüren ein Herzstolpern, Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Atemnot, Schweißausbruch und Schwindel. Manchmal bleiben die alarmierenden Anzeichen jedoch aus und die Rhythmusstörung tritt ganz ohne Beschwerden auf. Sie wird dann nur zufällig bei einer ärztlichen Untersuchung oder erst durch Komplikationen, wie bei einem Schlaganfall beispielsweise, erkannt.

„Manche glauben, ihre „letzte Stunde“ sei gekommen, andere denken, sie hätten einen Herzinfarkt. Häufig hört das Vorhofflimmern nach mehreren Stunden plötzlich wieder auf und der Patient stellt fest, dass es ihm sogleich besser geht. Diese Form der Rhythmusstörung nennt man anfallsweises oder paroxysmales Vorhofflimmern. Wenn das Vorhofflimmern weiter anhält, spricht man von persistierendem Vorhofflimmern“ (Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.).

Betroffene haben in den nachfolgenden Wochen und Monaten ein erhöhtes Risiko, nochmals Vorhofflimmernanfälle mit mehr oder minder starken Beschwerden und Einschränkungen ihrer gewohnten Lebensweisen zu erleiden. Viele belastet dieser Gedanke und versuchen somit, die Anfälle zu vermeiden. Jüngere Menschen verspüren die Herzrhythmusstörung besonders nach Alkoholkonsum, ungesundem Essen oder Stress. Generell beginnt sie bei manchen morgens, während andere unmittelbar nach körperlicher Belastung in Verbindung mit starkem Schwitzen einem Anfall ausgesetzt sind. Anfälle können jedoch ohne jeden Anlass plötzlich und unerwartet auftreten und häufen sich im Laufe der Zeit.

Um Vorhofflimmern zu verhindern, gilt es deshalb, konsequent vorzubeugen und die begünstigenden Erkrankungen und Risikofaktoren rechtzeitig zu behandeln. Durch Tasten des Pulses und Abhören mit dem Stethoskop kann der Arzt Vorhofflimmern diagnostizieren. Dokumentiert und bestätigt wird Vorhofflimmern endgültig im EKG. Zur Therapie von Vorhofflimmern eignen sich rhythmuserhaltende Medikamente (Antiarrhythmika), eine elektrische Kardioversion („Elektroschock“) oder eine nicht medikamentöse Therapie wie die Katheterablation. Wichtig ist vor allem der Schutz vor Blutgerinnseln, um das Schlaganfallrisiko, von dem besonders ältere Menschen betroffen sind, zu senken. Doch auch bei jüngeren Menschen sollte die Herzrhythmusstörung nach Möglichkeit frühzeitig diagnostiziert werden, da Vorhofflimmern eine fortschreitende Erkrankung ist, bei der sich mit zunehmender Anfallsdauer- und häufigkeit schließlich ein anhaltendes Vorhofflimmern entwickeln kann.

Wird die Rhythmusstörung frühzeitig entdeckt, besteht die Chance, Vorhofflimmern zu beseitigen und dauerhaft einen stabilen Sinusrhythmus zu erreichen. Für weitere Infos und Aufklärung empfehlen wir, die Seite https://www.vorhofflimmern.de/ zu besuchen. In unserem nächsten Blogbeitrag wird es um das Wohlfühl- und Wahrnehmunstraining „Mindfulness“ (Achtsamkeit) gehen und wir geben euch hilfreiche Tipps an die Hand, besser auf euer Herz und euren Körper zu hören und achten.

Hinweis: Dieser Artikel kann einen Arztbesuch nicht ersetzen! Er enthält lediglich allgemeine Hinweise und Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose- oder behandlung verwendet werden. Bei Verdacht auf Vorhofflimmern, bitten wir darum, euch an euren Arzt des Vetrauens zu wenden.