10. August 2022
5 Min.

Agile + Manufacturing: Gewappnet für die Zukunft

Was bedeutet eigentlich Agile? Wie funktioniert das? Warum brauchen wir das? Und was könnten wir tun, um agil zu arbeiten? In unserem Blogbeitrag finden Sie die Antworten - und erfahren, wie Sie Herausforderungen in der Manufacturing-Branche zukünftig iterativ, dynamisch und flexibel meistern können.

Aktuelle Herausforderungen in der Manufacturing-Branche

Die Schlagzeilen überschlagen sich, eine Krise folgt der nächsten: schockierende Headlines, Energieprobleme, Gasmangel, Innovationen, neue Technologien, das Metaverse, Fachkräftemangel und vieles mehr. So, oder so ähnlich, sieht die Nachrichten-Landschaft der letzten zwei Jahre aus. Logisch, dass sich auch Unternehmen aus dem Bereich Manufacturing vielen Herausforderungen stellen müssen. 

Allem voran steht nach wie vor die Digitalisierung im Raum. Neben der rasch voranschreitenden Konkurrenz – insbesondere aus dem Ausland – und den damit einhergehenden Innovationen, stellen auch die immer komplexer und individueller werdenden Kundenanforderungen eine große Herausforderung dar. Unternehmen sehen sich gezwungen zu handeln und neue, innovative Wege zu gehen. Nicht nur, um nicht abgehängt zu werden, sondern auch, um von den neuen Möglichkeiten zu profitieren und die Produktivität maßgeblich zu verbessern. 

Dann ist da noch die Pandemie. Lieferketten mussten neu organisiert und die Mitarbeitenden weitgehend auf Home-Office und Remote-Arbeit umgestellt werden. Schnell mussten Lösungen gefunden werden, die die Arbeitsplätze der Belegschaft nachhaltig verändert haben. Außerdem wurde dadurch auch noch der ohnehin schon schwierige Fachkräftemangel weiter verschärft. 

Zunehmend fehlen wichtige Fachkräfte in der Fertigung. Effiziente Lösungen, wie z.B. VR-Trainings oder AR-Schritt-für-Schritt-Anleitungen für den Wissenstransfer müssen her, damit das bestehende Wissen an die nächste Generation bestmöglich weitergegeben werden kann. Hinzu kommt, dass junge Nachwuchskräfte z.B. nicht mehr die alten Steuerungssysteme bedienen möchten, sondern neue, moderne Werkzeuge nutzen wollen. 

Eine Reihe an Herausforderungen also, die es jetzt zu bewältigen gilt. 

Aktuelle Herausforderungen im Bereich Manufacturing

Old but (not always) gold

Die Herausforderungen und Lösungen werden in Projekten angegangen und erarbeitet. Hierfür gibt es selbstverständlich unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden. Am weitesten verbreitet und stark verwurzelt, werden in der Manufacturing-Branche nach wie vor Wasserfallmethoden eingesetzt. Linear, klar definiert – und leider – unflexibel.

Zu Beginn des klassischen Wasserfallvorgehens wird zunächst festgelegt, in welchen Schritten entwickelt werden soll. Das Ganze verläuft dabei ungefähr so:

  1. Lasten- und Pflichtenheft (Auftraggeber & Auftragnehmer)
    Hierin werden alle Anforderungen für die zu bearbeitende Lösung, oder das zu entwickelnde
    Produkt festgelegt.
    Bevor es los geht, muss alles genau beschrieben sein!
  2. Konzeption & Prototyp (Auftragnehmer)
    basierend auf den festgelegten Anforderungen, werden erste Zeichnungen und Pläne erstellt. Zusätzlich wird ein Prototyp entwickelt und mit den Anforderungen verglichen. Ist alles zur Zufriedenheit, geht es weiter zum nächsten Schritt.
    Keine regelmäßige Präsentation an den Auftraggeber, der Prototyp wurde ja abgenommen!
  3. Umsetzung & Testing (Auftragnehmer)
    Es geht los mit der Umsetzung, das Produkt wird gefertigt und anschließend getestet. Wenn alles läuft, wie erwartet geht es zum nächsten Schritt.
  4. Abnahme (Auftragnehmer & Auftraggeber)
    Das Produkt wird dem Auftraggeber vorgestellt. Und? Ist es das was die Auftraggeber tatsächlich in Auftrag gegeben haben? Vielleicht ja – vielleicht aber auch nicht.
    Gefällt das Produkt dem Auftraggeber nicht, fängt der ganze Prozess von vorne an.

Jeder Change Request, jeder Änderungswunsch des Auftraggebers, erfordert nicht nur viel Zeit, sondern kostet obendrein auch noch Geld und muss vertraglich festgelegt werden.
Denn am Ende des klassischen Wasserfallmodells kommt das heraus, was beim Auftragnehmer initial verstanden wurde.
Das funktioniert bei bereits bekannten, etablierten Projekten und Produkten. Aber funktioniert das auch, wenn man sich in einem neuen, unbekannten Terrain bewegt?

VUCA

Das perfekte Wort, um die gegenwärtigen Herausforderungen im Bereich Manufacturing zu beschreiben ist VUCA.

VUCA passt zu den bereits genannten Herausforderungen und macht deutlich, dass zur Bewältigung der Herausforderungen und beim Bewegen in einem neuen, unbekannten Terrain andere Methoden und Herangehensweisen benötigt werden.

VUCA-Welt

Agiles Arbeiten

Genau hier kommt agiles Arbeiten ins Spiel. Denn agiles Arbeiten verspricht, im Gegensatz zum Wasserfallmodell, die notwendige Flexibilität, um in einem VUCA-Umfeld Projekte zum Erfolg zu führen.

Iterativ, dynamisch – und – flexibel, wird hierbei nicht dem initial festgelegten Weg gefolgt, vielmehr wird laufend in Absprache mit allen Stakeholdern überprüft, ob man nach wie vor in die korrekte Richtung läuft.

Dieses Vorgehen ist natürlich nicht die Lösung für alle Bereiche und Themen. Befindet man sich zum Beispiel in einer einfachen bzw. komplizierten Projektsituation, kann man in der Regel mit bekannten Prozessen und Ansätzen arbeiten. Wenn wir uns aber in einem komplexen oder chaotischen Bereich befinden, können agile Methoden helfen diese umzusetzen. (Stacey Chart)

Stacey Chart von Ralph Stacey

Was bedeutet agiles arbeiten?

Im Jahr 2001 schlossen sich einige Softwareentwickler zusammen und beschlossen, es muss bessere Wege geben, um Software zu entwickeln. Zusammen haben sie das Agile Manifest beschlossen. Es besteht aus 4 Kernbereichen, auf die man sich in der Softwareentwicklung konzentrieren sollte.

  • Individuen und Interaktion
  • Funktionierende Software
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden
  • Reagieren auf Veränderungen

Diese Grundlagen kommen zwar aus der Softwareentwicklung, können aber sehr leicht auch auf andere Bereiche angepasst werden, wie z.B. Manufacturing.

Wie können wir die agilen Grundlagen im Bereich Manufacturing nutzen?

Ebenfalls im Jahr 2001 hat  A. Gunasekaran bereits mit dem Thema Agiles Manufacturing in seinem Buch „Agile Manufacturing: The 21st Century Competitive Strategy beschäftigt.

Das Thema ist also auch nicht neu, hier eine kurze Zusammenfassung aus unserer Sicht:

Agile Manufacturing entstand als Reaktion auf die Lean Produktion.

Lean konzentriert sich auf die effiziente Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette, also hauptsächlich auf die Reduktion von Verschwendung.

Agilität umfasst die Arbeitsweise einer Organisation im Kontext der Veränderung.

Die Unterschiede zwischen Agile und Lean

Beide Ansätze erfordern ein bestimmtes Mindset, eine Kultur, Prozesse und eine Art der Führung, die jedoch in ihrer Ausgestaltung sehr unterschiedlich sind. Wir konzentrieren uns jetzt mal auf den Agilen Ansatz.

Wenn wir die Werte aus dem agilen Manifest für den Bereich Manufacturing übersetzen würden, könnte das wie folgt aussehen:

  • Zusammenarbeit im Team
  • schnell und qualitativ hochwertige Produkte liefern
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden
  • schnelle Reaktion auf Anforderungen aus dem Markt

Was können wir im Bereich Manufacturing tun, um zukünftig agil zu arbeiten?

In vielen Bereich der IT haben wir gesehen, wie agiles Arbeiten angeordnet wurde und damit gescheitert ist bzw. die Leute für agiles Arbeiten „verbrannt“ hat. Lernen wir aus den Fehlern anderer und ordnen nicht an, sondern nehmen alle Bereiche mit und bilden sie aus bevor wir agil durchstarten!

Basierend auf unseren Erfahrungen empfehlen wir alle Bereiche mit einzubinden und grundlegend zum Thema Agiles Arbeiten zu schulen. Dadurch schafft man Verständnis und einen sinnvollen Einsatz agiler Methoden im Unternehmen.

  1. Was ist agiles Arbeiten eigentlich?
    Wenn wir wollen, dass in unserem Umfeld alle agil arbeiten, dann sollten sie auch verstehen was ein Agiles Mindset überhaupt ist. Hierbei können Grundlagenschulungen sehr hilfreich sein, wir haben hier sehr gute Erfahrungen mit unserer Agile Daily Business Schulung.
  2. Agiles arbeiten funktioniert nicht, wenn nicht auch das Management sich an das geänderte Umfeld anpasst.
    Wenn sich das Mindset auf der Arbeitsebene ändert, dann muss auch die Management Ebene sich anpassen, denn die alten Strukturen funktionieren dann oft nicht mehr so gut. Das aktuell am weitesten verbreitete Management Mindset ist Management 3.0.
  3. Wie nehmen wir die ganzen Kundenwünsche auf und wie gehen wir damit um?
    Vor allem Personen, die im Bereich des Produktmanagements arbeiten sind von den speziellen, sich ständig ändernden Kundenanforderungen betroffen. Im agilen Arbeiten sprechen wir hier oft von der Rolle des Product Owners. Diese Rolle und ihre Aufgaben sind sehr vielfältig und können bei der Maximierung ihres Geschäftserfolgs entscheiden sein.
  4. Und wenn die bestehenden Produkte nicht mehr ausreichen, um am Markt zu bestehen?
    Dann versuchen sie doch mal mittels neuer Methoden, wie Design Thinking zu innovativen und kreativen neuen Produktideen zu kommen.

Oft liest man, das Agiles Manufacturing eine Kombination aus Organisation, Menschen und Technology ist, unsere Tipps beziehen sich hauptsächlich auf die Bereiche Organisation und Mensch.

Agile Manufacturing ist die Schnittmenge aus Organisation, Menschen und Technologie

Es gibt viele Schulungen und Praktiken, die man verwenden kann, um im Manufacturing agil zu arbeiten. Der erste Schritt besteht darin sich mit dem Thema zu beschäftigen, das habt ihr nach dem Lesen dieses Blogs getan. Jetzt geht es weiter zum nächsten Schritt:

Lasst uns gemeinsam einen Weg für ein Manufacturing des 21. Jahrhunderts finden 😉

Bildnachweise: © Irfan Simsar - unsplash.com © joffi - pixabay.com © University of Hertfordshire

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