17. Oktober 2019
5 min

Fairness für alle? - Telematiktarife im deutschen Versicherungsmarkt

Wenn Telematik für Sie ein Fremdwort ist, kommt dieser Artikel gerade richtig für Sie. Denn laut vielen Zukunftsprognosen, werden bis 2025 alle Versicherungsunternehmen, deren Kunden und Praxen an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen werden. Sind Sie schon bereit für die Innovationen?
Fair / Blackboard concept (Click for more)

Was ist Telematik?

Quelle: Maria Kolomizki

Alle Versicherungsunternehmen wollen bessere Leistungen, flexiblere Tarife und günstigere und gerechtere Preise für ihre Kunden anbieten. Die Technologien und Methoden entwickeln sich dabei so schnell, dass das was vor fünf Jahren noch ganz unvorstellbar war, heute möglich und als „Standard“ empfunden wird. Aber warum sprechen wir heutzutage nicht über einen Technologievorsprung in Versicherung? Eine der größten Entwicklungen in dem Versicherungsbereich ist Telematik. Die Bezeichnung Telematik setzt sich aus den Begriffen Telekommunikation und Informatik zusammen. Es geht bei dieser Technologie also um die Verknüpfung von Datenverarbeitung und Datenübermittlung. Was zunächst vielleicht kompliziert klingen mag, hält in immer mehr Bereichen unseres Alltags Einzug. Der Einsatz der Telematik-Infrastruktur ist relativ verbreitet in der Kfz-Versicherung und weniger beispielsweise in der Personenversicherung.

Die Funktionsweise von Telematik-Technologien im Kfz-Bereich ist wie folgt: Kleine Boxen oder Smart­phone-Apps über­wachen das Fahr­verhalten von Versicherungskunden, dabei vor allem die Geschwindig­keit, das Brems-, das Be­schleunigungs- und das Kurven­verhalten. Die gesammelten Daten werden an die Kfz-Versicherung übermittelt. Daraus berechnet diese einen Scorewert. Je besser das Fahr­verhalten bzw. je höher der Scorewert, desto höher ist beispielsweise der Rabatt.

Im Bereich der Personenversicherung werden bei Telematik Fitness-Armbänder, Health-Apps, smarte Uhren und smarte Kleidung eingesetzt. Es wird eine Kombination aus ärztlichen Daten und Daten, die sogenannte „Wearable Devices“ liefern, die mithilfe der Kombination von Sensoren und telematischen Funktionen Fitness-, Ernährungs-, Gewohnheits- und Bewegungsdaten aufzeichnen. Diese werden mittels unterschiedlicher Algorithmen interpretiert und an andere Geräte übermittelt. Die Versicherer werten diese Daten in einer vershlüsselten Form aus. Wie bei der Kfz-Versicherung werden auch hier Scores berechnet und fließen in Boni oder Rabatte ein.

Was sagen die Kunden?

Die Kundenmeinungen zur Telematik bewegen sich zwischen zwei Polen: Manche Kunden lehnen diese Technologien grundsätzlich ab, andere sind wiederum begeistert und wollen mehr darüber wissen.

Quelle: Eigene Darstellung, Foren und Kundenportale

Was sagt die Statistik?

Aktuell lehnt fast jeder zweite deutsche Autofahrer einen Telematiktarif ab. 26% aller Kfz-Besitzer sind skeptisch gegenüber Telematiktarifen und deren angeblichen Vorteilen. Nur 25% können sich solche Tarife für ihr Auto vorstellen, aber nur 4% wären auch bereit, in einen Telematiktarif in der Kfz-Versicherung zu wechseln. (Quellen: GDV, Deloitte, DAT)

Was in Italien, Großbritannien und den USA bereits schon sehr verbreitet ist, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen: Bisher sind Telematik-Tarife in Deutschland noch selten. Sie sind lediglich bei 13 von insgesamt 91 Kfz-Versicherungsanbietern anzutreffen. Darunter befinden sich beispielsweise der HDI, die HUK-Coburg, die Allianz, die AXA und die VHV. Dabei unterscheiden sich die Tarife teilweise recht deutlich voneinander. Das gilt sowohl für die Daten, die zur Auswertung des Fahrverhaltens erfasst werden, als auch für die eingesetzte Technik. Im Gesamtvergleich der Angebote ist maximal ein Rabatt in Höhe von 40 Prozent möglich. Manche Angebote wenden sich ausschließlich an jüngere Fahrer. Bei anderen Versicherern kann man beispielsweise Apps zu Testzwecken nutzen.

Versicherung 3.0: Sind die Versicherer diesmal etwa schneller als die Kunden?

Wenn man Kundenportale oder Forenkommentare analysiert, ist ein erstaunlich negativer Trend zu erkennen und das obwohl Telematik als das Zukunftsthema der Versicherungsbranche gehandelt wird. Warum sind die Telematik-Infrastrukturen so wenig willkommen in Deutschland?

Einhaltung von Datenschutz

Wer bekommt meine Daten außer meinem Versicherer? Welche Daten bekommt mein Versicherer und welche davon werden analysiert? Wo sind meine Daten gespeichert und wie sicher sind sie? Wie lange werden sie aufbewahrt? Diese und weitere Fragen stellen sich die meisten Versicherungskunden. All dass muss für sie nachvollziehbar sein. Die Versicherer müssen eine Erklärungsfunktion übernehmen, eine ausreichende Transparenz schaffen und Informationen über Datenschutz und Datennutzung an bestehende sowie potenzielle Kunden liefern. Wenn ein Versicherer die erhobenen Daten für seine Auswertungen nutzen will, müssen diese grundsätzlich anonymisiert werden. Die Fahr- bzw. Gesundheits- und Verhaltensdaten müssen gelöscht werden, sobald sie ihren Zweck, den Fahr- und Lebensstil zu analysieren, erfüllt haben. Weiterhin muss geklärt werden, wie solche Daten beispielsweise nach Unfällen in Strafprozessen verwendet werden dürfen.

Erhöhung der Transparenz

Günstigere Versicherungstarife sind grundsätzlich begrüßenswert, Voraussetzung muss aber sein, dass Anbieter von Telematik-Tarifen transparent machen, was tatsächlich das Ziel des Scorings ist und welche Merkmale mit welcher Gewichtung in den Score eingehen. In der Regel sind für Kfz-Telematik das Brems- und Kurvenverhalten, die Beschleunigung, die Geschwindigkeit sowie die Uhrzeit und der Ort interessant. Die Krankenversicherung hat noch mehr Spielraum bei der Datenerhebung. Hier sind Daten wie z.B. das Ernährungsverhalten, Alkoholkonsum und Rauchverhalten, Beteiligung an Vorsorgeuntersuchungen, Sportaktivitäten, Risiken durch Erbkrankheiten, Arbeitsverhältnisse sowie Stressfaktoren relevant. Die Ermutigung von Versicherten zu einem weniger riskantem Fahrverhalten oder einem gesundheitsbewußterem Lebensstil ist allerdings nur dann gesellschaftlich gutzuheißen, wenn bestimmte Personengruppen durch die Angebote nicht systematisch benachteiligt werden.

Telematiktarife und Preise

Wie fließt das individuelle Verhalten in die Preisgestaltung ein? Kann es auch zu einer Preiserhöhung führen? Oder wäre es vielleicht auch fair und gerecht, wenn man die Höhe von Versicherungstarifen durch das eigene verantwortungsbewusste Verhalten beeinflussen könnte? Wäre es nicht von Vorteil, wenn man in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen könnte, wieviel man für seine Kfz- oder Krankenversicherung bezahlt? Manche Kunden kritisieren Telematiktarife beispielsweise wegen des mangelnden Solidaritätsgedankens, für andere ist es wiederum ein Argument dafür: „Warum soll man für das Unfall- oder Erkrankungsrisiko von Personen aufkommen, die einen ungesunden Lebensstil haben oder ein fahrlässiges Fahrverhalten aufweisen, obwohl man selbst auf seine Gesundheit achtet und umsichtig fährt? Telematik führt an dieser Stelle zu mehr Flexibilität in der Gestaltung von Tarifen und Prämien. Dabei tendiert die gesamte Versicherungsbranche zu einem Pay-as-you-drive oder Pay-as-you-live Modell. Die meisten Versicherungsunternehmen „bestrafen“ ihre Kunden nicht und bieten ausschließlich Rabatte oder Kundenprämien für gutes Fahrverhalten. Im schlimmsten Fall, wäre die Ersparnis gleich Null. Die Cosmosdirekt geht an dieser Stelle jedoch einen Schritt weiter und arbeitet mit einem vollkommen flexiblen Preis. Bei einer sehr schlechten Fahrweise zahlen Versicherte fast doppelt so viel wie bei einem sehr guten Scorewert. Fahren die Kunden der Cosmosdirekt nur einen durchschnittlichen Score ein, sollten sie unbedingt überprüfen, ob sie nicht ohne Telematik günstiger unterwegs sind. Solche Tarife sind für viele Kunden am Anfang einer Telematik-Ära natürlich noch recht unattraktiv – Bonuslösungen sind hier besser als Maluslösungen.

Und noch eine kleine technische Frage…

Wie genau kann die Telematik-Hardware (Handy, Smartwatches, Blackboxes fürs Auto) die Daten messen? Kann man die Geräte für eine bestimmte Zeit ausschalten oder „unsichtbar“ machen? Die Antworten unterscheiden sich von Versicherer zu Versicherer. Noch ist die Anzahl der Beschwerden ein deutliches Signal für ein Verbesserungpotenzial was Hardwaregenauigkeit und die Qualität der Datenauswertung angeht.

Wir geben grünes Licht für Innovation!

Quelle: Maria Kolomizki

Trotz noch vieler Verbesserungspotenziale, sprechen wir uns ganz bewusst für den Einsatz von Telematik-Infrastrukturen bei Versicherungen aus. Dank unseren Kenntnissen und Erfahrungen im deutschen Versicherungsmarkt, wissen wir nicht nur wie man diese Infrastrukturen für Kunden attraktiv machen kann, sondern auch wie man diese Strukturen technisch aufbaut und implementiert. Auch mit der Optimierung von Berechnungsalgorithmen haben wir Erfahrung. Als Novatec bieten wir unseren Kunden methodische Beratung für Telematik-Projekte und gehen mit Ihnen Hand-in-Hand durch die Telemetrie-Innovation.